Mordreds Tales – Der Teufel
Der Reiche

´╗┐Ein reicher Mann lag einst im Sterben.
Ums Sterbebett war'n versammelt die Erben
und harrten, dass er vonhinnen ginge,
auf dass sie bekämen all die Dinge,
die aus seinem Hab ihnen war'n teuer.
Der Mann nur sprach: „Ich möchte heuer
bekennen, was Böses ich hab getan,
wie ich ruinierte in meinem Wahn,
zu streben nur nach weltlich Gut,
manch guten Mann bis auf sein Blut.“

Gott und der Teufel traten heran,
standen neben den Erben beim Mann
und Gott sprach: „Seine letzte Beichte auf Erden ...“
Mephisto nickte. „Wird ein langer Abend werden.
Gar viel hat dieser Herr zu erzählen,
wird Stunden noch die Erben quälen."

Gott drehte mit Missbill seinen Kopf,
seine Hand traf leicht des Teufels Schopf,
worauf dieser leise lachte
und im Geheimen bei sich dachte:
‚Der alte Mann weiß ganz genau,
der Kerl war eine fiese Sau
und ist im Sterben auch nicht netter.
Statt jetzt nochmal zu beichte hätt' er
Gutes tun soll'n hier auf Erden
's wird ein langer Abend werden.’

Der sterbend Mann bekannt' sein Leben.
Er war grad bei der Hälfte eben,
da Gott schüttelte traurig sein Haupt
und schaut' nach rechts, weil er gar glaubt',
der Andere wär' anderswo.
Der Teufel sagt': „Ich musst' aufs Klo!
Soll's tun ich hier am Sterbebette?
Auch ich achte auf die Etikette.“

Der Mann erzählt' weiter, fand kein Ende.
Der Teufel starrt' stumm an die Wände
und meint': „Farbe wär hier wichtig.
Auch sind die Wände hier nicht dichtig.
Das Regenwasser dringt herein.
Das soll so gesund nicht sein.“

Gott, über dieses sehr erregt,
den Finger auf die Lippen legt.
Der Teufel meint': „Ich sag kein' Ton.
Ich sage nichts und geh ja schon
ganz leis und stille vor die Türe.“
Und dacht': ‚ ... wo ich dann flugs verführe
des jüngsten Erben hübsche Zofe.
Wir geh'n ins Heu dort auf dem Hofe.’

Als der Teufel wiederkam,
schwätzte immer noch der Mann.
Er wollte nicht zum Ende kommen.
Die Erben war'n schon ganz benommen
von des alten Mann's Geschichte,
die länger als Gerichtsberichte
und grausiger als die noch war.
Der Teufel seufzt': „Na wunderbar!“
Zu Gott sagt' er als letzten Satz:
„Nimm Du ihn, für Schwätzer ist bei mir kein Platz.“